Dracula auf Netflix: Frisches Blut, frischer Fürst

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Mark Gatiss und Steven Moffat liefern mit ihrer Neuinterpretation des Klassikers „Dracula“ eine durchweg spannende Adaption mit blutigen Horrorhäppchen und einer Packung Humor.

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Die am 04.01.2020 veröffentlichte Adaption des Literaturklassikers Dracula* von Gatiss und Moffat vermischt den modernen Charme des Autoren-Duos mit Witz und viel Blut. Den meisten Zuschauern der BBC-Serie Sherlock mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle, sollten die beiden bereits ein Begriff sein und wenn nicht dann sollte spätestens jetzt klar sein, dass beide pures Miniseriengold erschaffen.

Wie bei den meisten Bewegtbildumsetzungen rund um den transsilvanischen Grafen, sollten Fans des Romans von Bram Stoker nicht an eine detailgenaue Verfilmung denken. So beginnt unsere Reise zwar wieder bei den Ursprüngen des Romans im Jahre 1897, doch schnell wird klar, der Humor darf wohl nicht zu knapp werden.

Der Witz mit der Nonne

In den ersten Minuten lernen wir den geflohenen Jonathan Harker (John Heffernan) kennen, der sich übel zugerichtet in einem Kloster befindet. Hier hatte er seine Geschichte mit dem Fürsten auf mehreren Seiten niedergeschrieben, um der Welt zu zeigen welches Monster er getroffen hatte. Größtes Interesse hierfür zeigt die gar nicht mal so fromme Nonne Agatha van Helsing (Dolly Wells). Sie bittet ihn darum detailgenau von seinem Aufenthalt zu berichten, Sex inklusive.

Harkers Reise beginnt wie im Original mit der Einladung des Grafen zu seiner transsilvanischen Residenz. So soll der Engländer den Kauf eines Hauses in London und die bevorstehende Überfahrt nach Großbritannien bestätigen. Schnell macht sich gewohnt gruseliges Ambiente breit, als er hier vom alleinlebenden Fürsten (Claes Bang) in Empfang genommen wird. Das dies bei weitem nicht der Fall ist zeigt sich in den darauffolgenden Nächten und Harker kommt Dracula auf die Spur. Doch der Graf hatte sich bereits an seinem Blut vergangen. So wird der Rechtanwalt langsam, aber sicher zu einem schwächelnden Untoten. Trotz seiner Verwandlung behält er sich eine Menschlichkeit und kann sich mit einem Sprung vom Schloss retten.

Ab diesem Punkt rückt der Fokus immer mehr auf die eigentliche Protagonistin Van Helsing. Während Dracula und andere Kreaturen der Nacht in den weiteren Stunden mehr und mehr den Gruselfaktor aufrechterhalten, sorgt sie für die oft unerwarteten humoristischen Konfrontationen mit dem blutdürstigen Vampir. Die Abwechslung von Horror und Comedy brachte bei mir viele herzhafte Lacher hervor und erinnerte mich stark an den Charme der Serie Doctor Who, die auch einige gruselige Episoden durch Mark Gatiss (u.a. „Night Terrors“) und auch Steven Moffat (u.a. „Don‘t Blink“) erhielt.

Fazit

Wer die Arbeit von Gatiss und Moffat zu schätzen weiß, wird diese Serie mit Sicherheit nicht links liegen lassen können. Doch sollte man auf ein Durcheinander ähnlich mancher Folgen des Doctors gefasst sein und auf einen Schluss, der aber dann doch alles irgendwie in einem „Big ball of wibbly wobbly, timey wimey“ zusammenfasst. Alles in allem ist die Serie eine gelungene Adaption, die den Fürsten der Finsternis ein wenig Luft der Moderne schnuppern lässt.

So viel sei noch verraten: Der Abschluss endet wie in den Vorgängern, wer hätte es gedacht, mit dem Tod des Grafen. Wenn auch mit gewisser neuer Romantik. Ob und wie eine weitere Staffel kommen wird ist noch nicht bekannt. Aber der Tod eines Handlungstragenden muss ja heutzutage nicht gleich das Ende einer Serie bedeuten.

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